Bäckerei im Container

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„Mitraniketan – Stätte der Freunde e.V.“ – Entstehungsgeschichte unseres Vereins

Im folgenden Bericht werden wir versuchen, kurz die Geschichte unseres Projekts zusammenzufassen.
Von Anfang an war es ein tolles und spannendes Abenteuer.
Und es begann mit einer mutigen Idee:

Im Jahr 2004 besuchte Dr. Waldmann, 1. Vorsitzender unseres Vereins, Mitraniketan

zum ersten Mal als ärztlicher Begleiter einer Schülergruppe.

Dieses Dorf – sein Name bedeutet “Stätte der Freunde” – befindet sich im Süden von Indien, im Bundesstaat Kerala, in der Nähe von Trivandrum. Es wurde 1956 von Sri K. Viswanathan und seinen Freunden auf geerbtem Land gegründet. Es folgt den Lehren des Mahatma Gandhi und der Grundidee “Hilfe zur Selbsthilfe“.

Es sind etwa 280 Schüler – vor allem aus den nördlichen Bezirken von Kerala -, 30 – 40 Kinder im Kindergarten aus der Umgebung und etwa 80 bis 100 junge Erwachsene, die eine einjährige Vollzeitausbildung, zum Beispiel in der Spinnerei, Weberei, Schneiderei, Keramik und auch in unserer Bäckerei machen. Die Schulkinder erhalten in Mitra neben Ernährung, Erziehung und Ausbildung auch eine Unterkunft. All diese Mädchen und Jungen kommen aus den ärmsten Familien.

Beim ersten Besuch von Dr. Waldmann wurden der Wunsch und die Notwendigkeit finanzieller und logistischer Unterstützung bei der Realisierung einer Bäckerei zum Ausdruck gebracht.

So wurde die Idee geboren: “Bäckerei im Container“.

Eine alter Container wurde gekauft und auf dem Gelände der Bäckerei Nussbaumer vorbereitet, was eine teure Renovierung innen und außen bedeutete.

Im August 2006 wurde der Behälter voll beladen, und mit der notwendigen Ausrüstung – zum Beispiel ein Elektroofen und eine fest installierte Kühlzelle – unternahm er eine Seereise nach Indien.

Hilfsmaterialien wie Medikamente, Kleidung, Papier, Krankenhausbetten, Rollstühle und anderes, sollten ein zusätzlicher Schutz der Bäckereimaschinen sein.

Im November 2006 kam der Container in Mitra an und fand auf dem vorbereiteten Fundament seinen Platz.

Im Januar 2007 reiste eine kleine Gruppe, darunter ein Bäckermeister, nach Indien, um den Container in Betrieb zu nehmen.

Interessierte Mitarbeiter von Mitra wurden angelernt, um beides zu produzieren: europäisches und indisches Gebäck.

Im Jahr 2008 entstanden die ersten Pläne für ein Marketing-Center. Die Idee dahinter: Produkte, die in Mitra hergestellt werden, zum Beispiel Marmelade, Textilien, Keramik und natürlich die Backwaren in diesem Shop anzubieten.

Der Aufbau des Marketing Center begann im Jahr 2009, wurde im Jahr 2010 abgeschlossen und eingeweiht, in Gegenwart einer Gruppe von 16 Mitgliedern des Vereins.

Im Jahr 2009 wurde unser gemeinnütziger Verein “Mitraniketan – Stätte der Freunde” gegründet.

Da die Backwaren auch in den umliegenden Dörfern verkauft werden, wurde 2011 ein Lieferwagen gekauft, ebenfalls von uns finanziert.

In den folgenden Jahren gab und gibt es jährliche Reisen, um weitere Backwaren zu testen und mit den Verantwortlichen vor Ort Probleme und andere Hilfsaktivitäten zu diskutieren.

Bald merkten wir, dass vor allem indisches Gebäck – insbesondere süße Teile und helles Brot – gefragt sind. Da wir dem Grundgedanken der “Hilfe zur Selbsthilfe” folgen, unterstützen wir die Bäckerei finanziell, mit Rat und Ideen, aber wir lassen die indischen Bäcker entscheiden.

Der zweite Teil unseres Abenteuers: Umzug der Bäckerei.

Der Container war für die steigende Produktion zu klein geworden, im Inneren waren die Temperaturen zu hoch, um dort zu arbeiten, so dass die Arbeitsbedingungen sehr schwierig waren, auch für die indischen Bäcker.

Gemeinsam mit unseren indischen Freunden kamen wir zu der Entscheidung, eine neue Bäckerei zu bauen.

Ein Ort war schnell gefunden, direkt neben dem Container!

Die Pläne für das neue Gebäude wurden erstellt. Die neue Einrichtung wurde direkt in Indien gekauft, um die Reparatur vor Ort sicherzustellen.

Der Baubeginn war im Jahr 2011. Im November 2012 wurde die neue Bäckerei während des Aufenthalts unserer Gruppe eingeweiht und in Betrieb genommen.

Die ganz aktuellen Berichte von Mitra zeigen, dass die Bäckerei sehr gut läuft.

Für dieses Großprojekt gilt auch:
Die finanzielle Unterstützung wird von uns garantiert. Mit jährlichen Reisen gibt es fachkundige Anleitung und Hilfe. Aber die indischen Bäcker entscheiden, welche Produkte hergestellt werden, immer im Hinblick auf Angebot und Nachfrage und vor allem einer angemessenen Versorgung der Kinder in Mitra.

Nun ein Blick in die Zukunft: Das Wohl der Kinder ist immer noch für uns am wichtigsten.

Zuerst hatten wir im Jahre 2013 die Idee, den Speisesaal der Kinder und die Küche zu renovieren oder neu zu bauen – beide in einem sehr schlechten Zustand. Dieses Projekt würde sehr gut in das Konzept unseres Vereins passen.

Unsere indischen Freunde liebten dieses Projekt. Ein Plan für ein neues Gebäude wurde erstellt.

Aber nach ein paar Wochen bekamen wir eine E-Mail mit folgendem Inhalt:

“Unsere Jungenunterkunft ist sehr alt und zu klein, um mehr als 100 Kinder aufzunehmen. Dort leben 10 Jungen in einem sehr kleinen Zimmer. Die Einrichtungen sind sehr begrenzt, auch die Toiletten. Ständige Feuchtigkeit, auch nasse Kleidung sind ungesund und unhygienisch für die Jungen, so dass sie krank werden. Wenn einer der Jungen krank ist, dann steckt er die anderen an.
Bitte besprecht diese Idee!

Natürlich war unser Verein bereit, dieses wichtigere Projekt zu bevorzugen, vor allem im Hinblick auf den medizinischen Aspekt.

Der richtige Ort war schnell gefunden, die Pläne wurden 2014 erstellt und es war bald geklärt, welche Leistungen unsere indischen Freunde erbringen und ebenso, was wir leisten.

Wir mussten sehr lange auf die Baugenehmigung warten, aber schließlich begannen die Bauarbeiten in den letzten Wochen.

Eine Gruppe von 8 Personen hat im Januar 2016 die Möglichkeit, den Fortgang der Arbeiten beim Neubau der Jungenunterkunft zu sehen.

Die Realisierung all dieser und anderer Projekte ist nur durch außergewöhnlichen, persönlichen Einsatz möglich.

Wir bekommen Spenden von einigen Handwerksbetrieben, verschiedenen Vereinen und anderen Institutionen.

Viele Benefizveranstaltungen finden statt, wie Theater, Musicals, irische Musik und Tanz und so weiter.

Einige Spender bitten ihre Geburtstagsgäste um großzügige Spenden für unser Projekt an Stelle von Geschenken.

Nur wegen dieser kleinen und großen Spenden und außergewöhnlichem Engagement war es möglich, eine beträchtliche Summe in unsere Projekte zu investieren, immer im Hinblick auf Ernährung, Bildung und Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Natürlich hoffen wir auf diese sehr großzügige Unterstützung auch weiterhin, wenn es darum geht, neue Ideen zu verwirklichen.

Mahatma Gandhi sagte:

“Wenn wir wahren Frieden in der Welt erlangen wollen, müssen wir bei den Kindern anfangen.”

Verändern wir also ein klein wenig diese Welt, so wie wir sie uns wünschen und vorstellen.

Das wäre doch schon ein Anfang.

container-baeckerei.de